Stimmen Sie sich emotional auf die Geburt Ihres Kindes ein.

Aktualisiert: 10. Feb 2020

Bestimmt wissen Sie bereits alles über den Geburtsablauf, haben gelernt, den zu erwartenden Schmerz heraus zu atmen, machen Schwangerschaftsyoga und haben begonnen, Ihre Wohnung für Ihr Baby einzurichten. Genauso wichtig ist es, dass Sie sich emotional auf die Geburt Ihres Kindes vorbereiten. Denn geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind, wie Sie es bei Daniel N. Stern und Nadia Bruschweiler-Stern in ihrem Buch „Geburt einer Mutter“ sehr anschaulich nachlesen können.


Und genauso wie Sie Ihre Atmung stärken, Ihr Becken mobilisieren und Ihr Körperbewusstsein fördern, können Sie sich mental auf die Geburt und das Elternsein einstimmen, um sich emotional für alles Kommende zu stärken. Dazu schlage ich Ihnen folgende Übungen vor, die ich immer wieder auch in meiner Elternwerkstatt einsetze.





1. Meine Gebärmutter und ich

In meinem Kurs habe ich bemerkt, dass Frauen erst sehr spät in der Schwangerschaft darüber nachdenken, wie es in Ihrem Körper aussieht. Oftmals haben wir es als Frau nicht gelernt, uns stolz und intensiv mit unseren Geschlechtsorganen zu beschäftigen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, als jetzt während der Schwangerschaft damit zu beginnen. Ich lade Sie ein, sich schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft vorzustellen, wie ein kleines Wesen in Ihnen heranwächst. Verbildlichen Sie sich bei dieser Übung, wie es in Ihrer Gebärmutter aussieht. Welche Farben und Formen sehen Sie? Wie fühlt sich das kleine Embryo tief in Ihrem Innern? Wo liegt es? Sie können sich dabei die Gebärmutter anatomisch genau vorstellen und Bilder von Gebärmuttern ansehen oder auch eigene Phantasiebilder für ihren Innenraum finden.


Beide Möglichkeiten sind ein guter Weg, um mit Ihrer Gebärmutter in Kontakt zutreten. Nehmen Sie zunächst Kontakt mit Ihrer Gebärmutter auf, indem Sie sie visualisieren. Was sehen Sie? Im zweiten Schritt fassen Sie in Worte, was Sie sehen und sprechen Ihre Gebärmutter direkt an. Versuchen Sie es.


Etwa so

„Liebe Gebärmutter,

Du bist ganz warm und von Blut durchströmt. Deine dicken Zotten sind eine wohlige Hülle für meinen kleinen Schatz, der nun in mir wächst. Zusammen wollen wir gut für ihn sorgen. Wir machen es ihm so richtig gemütlich. Das wird etwas ganz Tolles.“


Suchen Sie metaphorische Bilder, mit denen Sie beschreiben können, wie sich Ihr kleines Embryo in Ihrer Gebärmutter fühlt.


„Liebe Gebärmutter,

wie eine samtige, ganz warme Decke umhüllst Du meinen Schatz. Rote Sterne funkeln die ganze Zeit in Dir. Und wie es rauscht, plätschert und gluckert, wie ein Bergbach, den ich in der Ferne höre.“


Vielleicht stellen Sie sich Ihre Gebärmutter aber auch von ihrer gefühlten Qualität eher wie eine bunte Blumenwiese vor. Eine weitere gute Möglichkeit, um sich Ihrer Gebärmutter zu nähern, ist es, wenn Sie diese abstrakt mit bunten Farben malen. Probieren Sie es aus.

Assoziieren Sie bei Ihren Gesprächen mit der Gebärmutter frei und geben Sie den wohligen Gefühlen Raum. Doch, Sie werden auch ambivalente oder ängstliche Gefühle spüren Ihrer neuen Situation gegenüber. Gerade diese eher negativen Gefühle sind wichtig, dass sie ausgesprochen werden und nicht einfach in Ihrem Körper bleiben. Denn sie erzeugen so Spannung oder negative Energie, die Ihr noch im Werden befindendes kleines Wesen mit spüren und aushalten muss. Und genau darum geht es, wenn Sie sich genauer mit Ihrer Gebärmutter und Ihrem Körper beschäftigen. Spüren Sie in sich hinein. Machen Sie sich Ihre Gefühle bewusst, indem Sie aussprechen, was Sie bewegt. Denn, wenn etwas Worte bekommt, verliert es in der Regel seinen Druck.





2. Der Mutter-Embryo-Dialog –

Ihr neues Schwangerschaftsritual für mehr emotionale Bindung


Wie stellen Sie sich Ihre Gebärmutter als Bild vor?

Entwickelt hat den Mutter-Embryo-Dialog Dr. Ute Auhagen-Stephanos. Sie verwendet dieses Tool in erster Linie, um Fehlgeburten zu verhindern und das Gelingen einer künstlichen Befruchtung zu unterstützen. In meiner therapeutischen Arbeit hat sich der Mutter-Embryo-Dialog für alle Schwangeren bewährt.


Mittlerweile ist es wissenschaftlich erwiesen, dass positive Gefühle der Mutter zu einer ungestörten körperlichen Entwicklung des Kindes sowie zu einer sicheren und harmonischen Bindung zwischen Mutter und Kind führen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie schon früh mit Ihrem ungeborenen Kind Kontakt aufnehmen.


Wie funktioniert der Mutter-Embryo-Dialog genau? Sprechen Sie direkt mit Ihrem Kind im Bauch und halten Sie Zwiesprache mit Ihrem Embryo. Am besten starten Sie mit diesem Ritual bald, nachdem Sie erfahren haben, dass Sie schwanger sind. Suchen Sie sich dafür einmal am Tag einen ruhigen Ort in Ihrer Wohnung oder gehen Sie beispielsweise allein spazieren. Beginnen Sie, mit Ihrem ungeborenen Kind zu sprechen. Am besten täglich und über den gesamten Zeitraum der Schwangerschaft.


Bestimmt fragen Sie sich, wie so ein Gespräch aussehen könnte. Hier lesen Sie ein Beispiel von einer beginnenden Schwangerschaft. Vielleicht kommt es Ihnen etwas naiv vor, so zu formulieren. Doch Sie werden bald merken, wie hilfreich dieserart zu sprechen ist, um sich mental auf die Schwangerschaft einzustimmen. Wenn es für Sie hilfreich ist, können Sie Ihre Gedanken auch aufschreiben. Denn Bindung beginnt nicht erst nach der Geburt, sondern schon im Mutterleib, in Ihrer Gebärmutter.


„Liebes kleines Wesen,

nun habe ich Dich also empfangen und Du beginnst Dich in mir zu entwickeln. Das ist ja für uns beide eine ganz neue Erfahrung. Ich hoffe, Du wirst in mir drinnen, in meiner Gebärmutter, ein schönes Plätzchen finden, wo Du gut wachsen kannst. Was geht da gerade in mir vor? Ich möchte Dich begleiten und lieb haben. Du bist ja jetzt wirklich ein Teil von mir. Und gleichzeitig beginnst Du schon jetzt Deinen eigenen Weg zu gehen. Ich will gut auf mich achten in den nächsten neun Monaten und immer in mich hineinhorchen, um zu fühlen, wie es mir geht und was ich brauche. Ich will Dich unterstützen. Das funktioniert am besten, wenn ich sehr auf mich achte, vielleicht so, wie ich noch nie in meinem Leben auf mich geachtet habe. Wir sind jetzt zwei.“


Gerade für Frauen, die schon einmal eine Fehlgeburt erlitten haben und danach wieder schwanger sind, ist der Mutter-Embryo-Dialog aus psychosomatischer Sicht eine wertvolle Methode, um eine gelingende Schwangerschaft zu unterstützen. Denn dadurch entwickeln Sie Vertrauen und verleihen möglichen belastenden Gefühlen Ausdruck. Lassen Sie auch zu, wenn sich negative Gefühle und Ängste einstellen. Versuchen Sie in Worte zu fassen, was Sie vor der großen Aufgabe des Elternsein beunruhigt.


„Mein lieber Schatz,

nun lebst Du schon 13 Wochen in mir und ich habe mich langsam an den Gedanken gewöhnt, Mutter zu werden. Alle freuen sich für uns. Doch ich merke, dass ich manchmal zwiespältige Gefühle Dir gegenüber habe. Wie wird sich mein Leben verändern? Ich bin Projektleiterin und arbeite mehr als 50 Stunden in der Woche. Nächste Jahr kommt doch dieser tolle Auftrag. Werde ich den überhaupt übernehmen können? Bisher hatte ich alles unter Kontrolle, meinen Körper, meinen Job. Wir haben uns gut eingerichtet in unserer Beziehung, Mark und ich. Wie wirst Du alles verändern? Wird das nicht alles viel zu anstrengend? Oder brauche ich dieses Loslassen mal, um zu mir selbst zu finden?“


Schaffen Sie sich durch das Ritual des Dialogs eine einzigartige und intime Realität. Das Träumen im Rahmen des Mutter-Embryo-Dialogs ist dabei eine wichtige mütterliche Fähigkeit, Ihrem Kind den Weg ins Leben zu erleichtern. Gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft macht es Sinn, Ihr Kind als lieben Gast willkommen zu heissen.





3. Angeleitetes Schreiben

Das angeleitete Schreiben dient zur Selbstreflexion und ermöglicht Ihnen, mit Ihren Gefühlen, Ängsten und Wünschen in Bezug auf die Schwangerschaft und das Elternsein in Kontakt zu treten. Nehmen Sie sich dafür mindestens 45 Minuten Zeit. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem Sie nicht abgelenkt werden. Legen Sie Ihr Handy beiseite und schalten Sie es auf lautlos. Greifen Sie zu Stift und Papier.


Sie können alle oder auch nur ein paar der folgenden Fragen beantworten. Schreiben Sie auf, was Ihnen spontan einfällt ohne lange zu überlegen.


  • Wie fühlen Sie sich gerade?

  • Wie fühlen Sie sich allgemein mit der Schwangerschaft?

  • Was haben Sie an sich selbst diese Woche beobachtet?

  • Welche Hoffnungen und welche Wünsche haben Sie für Ihr Kind?

  • Was möchten Sie Ihrem Kind auf seinem Lebensweg mitgeben?

  • Welche drei wichtigen Dinge möchten Sie Ihrem Kind zeigen oder beibringen?


  • Welche Ängste haben Sie in Bezug auf die Schwangerschaft, die Geburt und das Elternsein?

  • Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Zeitsprung machen und sitzen vor Ihrem 18-jährigen Kind und betrachten ihre/seine Kindheit. Was würden Sie in diesem Moment sehen? Was haben Sie mit Ihrem Kind zusammen Schönes erlebt? Wie haben Sie Ihr Kind fürs Leben gewappnet?

  • Schauen Sie von dieser zukünftigen Situation zurück auf Ihre aktuelle Situation, als wären Sie eine andere Person. Nun versuchen Sie, dieser anderen Person aus der Sicht Ihres zukünftigen Selbst zu helfen. Welche Ratschläge würden Sie dieser Person geben? Fühlen und spüren Sie, was das für ein Ratschlag sein könnte und schreiben Sie ihn auf.


  • Welche drei Dinge möchten Sie zusammen mit Ihrem/Ihrer Partner*in in der Schwangerschaft noch unternehmen?

  • Was wünschen Sie sich von Ihrem/Ihrer Partner*in (jetzt und nach der Geburt)?

  • Welche Themen möchten Sie mit Ihrem/Ihrer Partner*in besprechen?

  • Wie können Sie Ihren/Ihre Partner*in unterstützen (jetzt und nach der Geburt)?


  • Was möchten Sie unbedingt noch erledigen und warum (Beispiele: die Wohnung entrümpeln; ein vertrauensvolles Gespräch mit Ihren Eltern führen; noch einmal allein verreisen etc.)

  • Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihre Arbeit und das Elternsein denken?


  • Wovon müssen Sie sich verabschieden, um entspannt Eltern zu sein?

  • Welche alte Haut müssen Sie abstreifen? (nicht mehr so streng mit sich sein; nicht mehr so perfekt sein wollen; nicht mehr alles schaffen wollen; nicht unausgesprochen Dinge von meinem/meiner Partner*in verlangen etc.)?

  • Wovor haben Sie am meisten Respekt?

  • Worauf freuen Sie sich am meisten?

  • Wer kann Ihnen helfen, für Ihr Kind zu sorgen? Welche Personen könnten Ihrem Kind guttun (welche Freunde, Geschwister, Großeltern)?

  • Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie drei Wünsche frei hätten?

  • Welche praktischen ersten Schritte würden Sie in den nächsten vier Tagen unternehmen, um Ihre Wünsche und Absichten umzusetzen (mit Ihrem/Ihrer Partner*in über ein bestimmtes Thema sprechen; einem/einer Freund*in sagen, wie sehr Sie ihn/sie schätzen und dass Sie sich freuen, wenn er/sie Zeit mit Ihrem Kind verbringen wird; sich einen Tag Zeit für sich selbst nehmen; das Arbeitszimmer aufräumen; eine kleine Reise machen etc.)?


Das angeleitete Schreiben ist übrigens eine Aktivität, die Sie wunderbar als Paar durchführen können, also beide Partner*innen. Wenn Sie mögen, können Sie sich später über einzelne Punkte austauschen. Aber betrachten Sie es als freiwillig, welche Gedanken Sie miteinander teilen möchten.





4. Eigene Kinderfotos betrachten: Wie waren Sie als Kind?

Schauen Sie sich eigene Kinderbilder an und erinnern Sie sich an Ihre eigene Kindheit. Woran erinnern Sie sich gern bei Ihrer Mutter und Ihrem Vater? Formulieren Sie, was Ihre Eltern besonders gut konnten. Was war überhaupt nicht förderlich für Ihre Entwicklung und hat Ihnen große Schmerzen zugefügt? Was würden Sie mit Ihrem Kind genauso machen, was ganz anders? Diese Übung eignet sich gut als Partner*innen-Übung.

Ebenso können Sie mit Ihrer Eltern darüber sprechen, wie Sie als kleines Kind waren.



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